Danilo · Aktualisiert 2026-10-15 · Quellen: ESTV Steuerrechner, Steuerjahr 2026; BFS Strukturerhebung, Mietpreise 2022–2024; SBB Streckenabonnement Liestal–Basel SBB, 2. Klasse
Basel-Stadt oder Baselland? Warum die Agglo hier mehr Steuern kostet
CHF 3'867 mehr Steuern im Jahr: So viel kostet es eine alleinstehende Person mit CHF 130'000 Lohn, in Liestal statt in der Stadt Basel zu wohnen. Im Freundeskreis hört man trotzdem gern: «Zieh doch nach Liestal, auf dem Land ist alles günstiger, die Steuern sowieso.» Bei der Miete mag das im Einzelfall stimmen. Bei den Steuern stimmt es in der Region Basel nicht, und zwar deutlich.
Gerechnet wird hier mit den Steuerdaten der ESTV für das Steuerjahr 2026. Das Profil: CHF 130'000 Bruttoeinkommen aus unselbständiger Arbeit, keine Kirchensteuer, einmal alleinstehend ohne Kinder und einmal verheiratet mit zwei Kindern. Die Beträge enthalten Bundes-, Kantons- und Gemeindesteuer zusammen. Wer anders verdient, Vermögen hat oder einer Kirche angehört, landet bei anderen Beträgen. Interessant ist vor allem die Reihenfolge.
Sechs Gemeinden, ein Einkommen
Verglichen werden die Stadt Basel und Riehen, beide im Kanton Basel-Stadt, mit Binningen, Allschwil, Reinach und Liestal im Kanton Basel-Landschaft. Reinach meint hier immer Reinach BL.
| Gemeinde | Kanton | Alleinstehend | Verheiratet, 2 Kinder |
|---|---|---|---|
| Riehen | BS | CHF 20'219 | CHF 9'953 |
| Basel | BS | CHF 22'080 | CHF 10'959 |
| Binningen | BL | CHF 23'768 | CHF 11'401 |
| Allschwil | BL | CHF 24'994 | CHF 12'035 |
| Reinach (BL) | BL | CHF 25'062 | CHF 12'070 |
| Liestal | BL | CHF 25'947 | CHF 12'528 |
Die Tabelle ist nach der Steuer sortiert, und die Reihenfolge ist für beide Profile dieselbe: oben die zwei Gemeinden aus Basel-Stadt, darunter alle vier aus Baselland.
Raus aufs Land heisst hier: mehr Steuern
Für die alleinstehende Person sieht der Abstand zur Stadt Basel so aus:
- Binningen: CHF 23'768 − CHF 22'080 = CHF 1'688 mehr pro Jahr
- Allschwil: CHF 24'994 − CHF 22'080 = CHF 2'914 mehr pro Jahr
- Reinach (BL): CHF 25'062 − CHF 22'080 = CHF 2'982 mehr pro Jahr
- Liestal: CHF 25'947 − CHF 22'080 = CHF 3'867 mehr pro Jahr
Liestal, die Kantonshauptstadt von Baselland, ist für dieses Profil die teuerste Adresse der sechs. CHF 3'867 im Jahr sind CHF 3'867 ÷ 12 = rund CHF 322 im Monat. Das ist ein Betrag, der bei der Wohnungswahl mitzählt.
Die Faustregel «Stadt teuer, Umland günstiger» trägt bei den Steuern in Basel nicht. Jede der vier Baselbieter Gemeinden in dieser Auswahl kostet bei diesem Einkommen mehr als die Stadt. Wer nur der Steuern wegen über die Kantonsgrenze zieht, zahlt drauf.
Die günstigste Adresse liegt in Basel-Stadt: Riehen
Die tiefste Steuer der Auswahl zahlt man weder in der Stadt noch im Baselbiet, sondern in Riehen, der Gemeinde zwischen Basel und der deutschen Grenze. Für die alleinstehende Person sind das CHF 22'080 − CHF 20'219 = CHF 1'861 weniger als in der Stadt Basel. Gegenüber Liestal wird der Abstand richtig gross: CHF 25'947 − CHF 20'219 = CHF 5'728 pro Jahr, für dasselbe Einkommen in derselben Region.
Wer in dieser Gegend aus steuerlichen Gründen umziehen will, schaut also besser nach Riehen als nach Baselland. Ob dort eine passende Wohnung frei ist und was sie kostet, ist eine andere Frage.
Mit Familie wird der Abstand kleiner, die Richtung bleibt
Für das Ehepaar mit zwei Kindern und demselben Bruttoeinkommen, wieder verglichen mit der Stadt Basel (CHF 10'959):
- Binningen: CHF 11'401 − CHF 10'959 = CHF 442 mehr pro Jahr
- Allschwil: CHF 12'035 − CHF 10'959 = CHF 1'076 mehr pro Jahr
- Reinach (BL): CHF 12'070 − CHF 10'959 = CHF 1'111 mehr pro Jahr
- Liestal: CHF 12'528 − CHF 10'959 = CHF 1'569 mehr pro Jahr
Riehen liegt mit CHF 10'959 − CHF 9'953 = CHF 1'006 auch hier unter der Stadt.
Bei Binningen schrumpft der Unterschied auf CHF 442 ÷ 12 = rund CHF 37 im Monat. Ein zusätzliches Zimmer oder ein kürzerer Schulweg zählt mehr. Für Familien ist die Steuer zwischen Basel und den direkt angrenzenden Baselbieter Gemeinden deshalb kein starkes Argument, weder dafür noch dagegen. Bei Liestal sind es mit CHF 1'569 ÷ 12 aber wieder rund CHF 131 im Monat.
Der Pendelweg kommt obendrauf
Wer in Liestal wohnt und in Basel arbeitet, braucht ein Abo. Das SBB-Streckenabonnement Liestal–Basel SBB kostet in der 2. Klasse CHF 175 im Monat, also CHF 175 × 12 = CHF 2'100 im Jahr. Daneben gibt es Verbundabos, die auch Tram und Bus einschliessen können; ob eines für den eigenen Weg günstiger ist, klärt man beim Tarifverbund.
Damit lässt sich eine Schwelle rechnen. Rechenbeispiel für die alleinstehende Person, die in Basel arbeitet:
- Mehrsteuer Liestal gegenüber Basel: CHF 3'867 pro Jahr
- Streckenabo: CHF 2'100 pro Jahr
- Zusammen: CHF 3'867 + CHF 2'100 = CHF 5'967 pro Jahr
- Pro Monat: CHF 5'967 ÷ 12 = rund CHF 497
Die Wohnung in Liestal muss also rund CHF 497 im Monat günstiger sein als eine vergleichbare in Basel, bevor der Umzug überhaupt bei null steht. Für die Familie mit einer pendelnden Person: CHF 1'569 + CHF 2'100 = CHF 3'669 pro Jahr, geteilt durch 12 rund CHF 306 im Monat. Pendeln beide Eltern, kostet das Abo doppelt, 2 × CHF 2'100 = CHF 4'200, und die Schwelle steigt auf CHF 1'569 + CHF 4'200 = CHF 5'769 pro Jahr, rund CHF 481 im Monat.
Eine Einschränkung zugunsten des Landes: Auch wer in der Stadt wohnt, hat womöglich Kosten für Tram und Bus. Sie sind hier nicht eingerechnet und senken die Schwelle um genau diesen Betrag.
Was die Miete dazu sagt
Hier läge das Argument für Baselland, wenn es eines gibt. Die Durchschnittsmieten der BFS-Strukturerhebung (Durchschnitte, keine aktuellen Inserate) helfen dabei nur bedingt:
| Gemeinde | Durchschnittsmiete pro Monat | Basis |
|---|---|---|
| Basel | CHF 1'395 | Stadtwert Basel, 2022–2024 |
| Riehen | CHF 1'451 | Kantonsmittel Basel-Stadt, 2024 |
| Binningen, Allschwil, Reinach (BL), Liestal | CHF 1'528 | Kantonsmittel Basel-Landschaft, 2024 |
Für Riehen und die vier Baselbieter Gemeinden gibt es keinen eigenen Wert, nur das jeweilige Kantonsmittel. Ein Stadtwert gegen ein Kantonsmittel ist kein sauberer Vergleich, deshalb wird daraus hier keine Ersparnis gerechnet. Für die These «auf dem Land wohnt man billiger» geben diese Zahlen deshalb weder einen Beleg noch einen Gegenbeleg her.
Zählen tut am Ende nur die Miete der konkreten Wohnung, die man vor sich hat. Mit ihr lässt sich die Schwelle von oben direkt prüfen.
Grenzen dieser Rechnung
- Kirchensteuer: Mit Konfession steigen die Beträge, und zwar je nach Gemeinde
unterschiedlich stark. Die Reihenfolge kann sich dadurch verschieben.
- Anderes Einkommen, Vermögen, Abzüge: Alles gilt für CHF 130'000 Erwerbseinkommen.
Bei einem anderen Lohn ändern sich die Beträge und womöglich auch die Abstände.
- Nur sechs Gemeinden: Baselland hat viele weitere Gemeinden mit eigenem Steuerfuss.
Einzelne davon können günstiger sein als die hier gezeigten.
- Einmalige Umzugskosten wie Kaution, Zügelfirma oder Betreibungsauszug fehlen ganz und
gehören separat betrachtet.
- Das hier ist eine Auswertung öffentlicher Daten für ein Beispielprofil, keine
Steuerberatung. Verbindlich ist die Veranlagung der kantonalen Steuerverwaltung.
Beide Adressen nebeneinander
Die Zahlen oben gelten für CHF 130'000 und zwei bestimmte Profile. Mit dem eigenen Einkommen, der Miete der Wohnung, die man wirklich im Auge hat, und dem eigenen Arbeitsweg lassen sich beide Adressen nebeneinander durchrechnen, statt sich auf die Faustregel zu verlassen: