Danilo · Aktualisiert 2026-10-21 · Quellen: Medienmitteilung Miebach Consulting «Miebach Switzerland moves from Zug to Zurich», 23. Februar 2026; Zefix / SHAB, Miebach Consulting AG (CHE-103.520.779), SHAB vom 27. Februar 2026; ESTV-Steuerrechner 2026 (Einkommens- und Unternehmenssteuern); SBB-Tarife; Steuerharmonisierungsgesetz (StHG, SR 642.14), Art. 3; Mindestbesteuerungsverordnung (SR 642.161)
Miebach zieht von Zug nach Zürich – hin zur höheren Steuerrechnung
Firmenumzüge werden oft als Flucht vor hohen Steuern gelesen. Dieser läuft in die andere Richtung. Die Supply-Chain-Beratung Miebach Consulting gab am 23. Februar 2026 bekannt, dass ihr Schweizer Büro von Zug nach Zürich zieht, mit Wirkung ab 1. März 2026. In Zug war das Schweizer Büro seit 1985. Das Handelsregister (Zefix, SHAB-Publikation vom 27. Februar 2026) zeigt, dass auch der Rechtssitz der Miebach Consulting AG gewechselt hat, an den Schaffhauserplatz 3 in Zürich.
Die Mitteilung sagt nichts zu Steuern. Sie nennt andere Gründe, die man neben den Zahlen lesen sollte.
Was die Firma sagt
Als wichtigste Treiber nennt die Mitteilung die zentrale Lage Zürichs in einem dynamischen Wirtschaftsumfeld, die ausgezeichnete Erreichbarkeit und die Nähe zu grossen Kunden und Geschäftsnetzwerken (sinngemässe Übersetzung aus dem Englischen). Volker Oschlies, Geschäftsführer von Miebach Consulting Switzerland, wird so zitiert (Übersetzung aus dem englischen Original): «Zürich bietet das Umfeld, das wir für unser weiteres Wachstum brauchen – sowohl was Fachwissen als auch was Talente betrifft.» Und: «Für unsere Kunden bedeutet das kürzere Wege, gut abgestimmte Projektteams und ein Umfeld, das exzellente Supply-Chain-Beratung nachhaltig unterstützt.»
Wie viele Mitarbeitende betroffen sind, wurde nicht veröffentlicht.
Was der Steuerrechner zeigt
Den Gewinn der Schweizer Gesellschaft kennen wir nicht. Wir rechnen deshalb mit einer Beispiel-Aktiengesellschaft mit CHF 1 Million Gewinn vor Steuern und CHF 10 Millionen Eigenkapital, bewertet mit dem Steuerrechner der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) für 2026. Das ist nicht die Steuerrechnung von Miebach; der tatsächliche steuerbare Gewinn ist nicht öffentlich.
| Standort | Gewinnsteuer | Kapitalsteuer | Total pro Jahr | Gewinnsteuer im Verhältnis zum Gewinn |
|---|---|---|---|---|
| Zug | CHF 116'280 | CHF 6'714 | CHF 122'994 | 11,6 % |
| Zürich | CHF 191'522 | CHF 16'453 | CHF 207'975 | 19,2 % |
Mit diesen Eingaben zahlt die Beispielfirma in Zürich CHF 84'981 mehr pro Jahr (CHF 207'975 − CHF 122'994). Daneben stehen die genannten Gründe: Talente, zentrale Lage, Erreichbarkeit, Kunden. Ein Unterschied dieser Grösse kann im Raum stehen und den Umzug trotzdem nicht entscheiden. Was schwerer wog, sagt der Rechner nicht, und die Firma sagt es auch nicht.
Eine Einschränkung auf Firmenseite: Seit 2024 zahlen Gruppen mit mindestens EUR 750 Millionen konsolidiertem Jahresumsatz in der Schweiz eine Ergänzungssteuer, wenn ihr effektiver Satz unter 15 % liegt (Mindestbesteuerungsverordnung, SR 642.161). Der Rechner berücksichtigt das nicht. Gehörte die Schweizer Gesellschaft zu einer Gruppe dieser Grösse, könnte die Mindeststeuer den Abstand verändern. Zur Gruppengrösse sagen die verwendeten Quellen nichts, und Zügle beziffert die Wirkung für keine Firma.
Wer in Zug wohnen bleibt
Für Angestellte stellt sich die Frage anders. Die Einkommenssteuer wird am steuerrechtlichen Wohnsitz geschuldet, in der Regel also am Wohnort, nicht am Arbeitsplatz (Art. 3 StHG). Wer in Zug wohnt und neu nach Zürich pendelt, behält seine Zuger Steuerrechnung.
Was sich ändert, ist die Zugfahrt. Von Zug nach Zürich HB kostet ein Monatsabo 2. Klasse nach Zügles Tariftabellen rund CHF 250, also CHF 3'000 im Jahr (CHF 250 × 12). Den echten Preis zeigt die SBB. Ob die Firma das Abo übernimmt, regeln Arbeitgeber und Mitarbeitende untereinander.
Wer nach Zürich ziehen würde
Zwei Beispielhaushalte, keine Lohndaten von Miebach. Der eine ist alleinstehend mit CHF 130'000 brutto und ohne Kirchensteuer. Der andere ist verheiratet mit zwei Kindern, ebenfalls mit CHF 130'000.
| Haushalt (Beispiel) | Zug | Zürich | Differenz |
|---|---|---|---|
| Alleinstehend, CHF 130'000 | CHF 9'384 | CHF 18'647 | CHF +9'263 |
| Verheiratet, zwei Kinder, CHF 130'000 | CHF 1'389 | CHF 8'890 | CHF +7'501 |
Einkommenssteuer 2026 laut ESTV-Rechner. Die alleinstehende Person würde in Zürich CHF 9'263 mehr im Jahr zahlen (CHF 18'647 − CHF 9'384), die Familie CHF 7'501 mehr (CHF 8'890 − CHF 1'389). Beide Differenzen liegen weit ausserhalb des Bereichs, den Zügle in Bernstein anzeigt, also «etwa gleich».
Für Zuger Einwohner spricht die Steuer also gegen den Umzug. Wer das Zuger Zuhause behält und pendelt, zahlt nach dem Betrag oben CHF 3'000 im Jahr für die Bahn. Ein Umzug nach Zürich kostet in beiden Beispielen mehr Steuern als das, noch vor der Miete, die dieser Beitrag bewusst weglässt.
Was ein Steuerunterschied sagt und was nicht
Die Firmenzahlen allein zeigen nach Zug, und die Firma ist nach Zürich gezogen. Die Steuerzahlen sind deshalb nicht falsch. Ein Steuerunterschied allein sagt keinen Umzug voraus, und die Gründe, die eine Firma nennt, können ganz woanders liegen: hier bei Talenten, Lage, Erreichbarkeit und Kunden.
Eine faire Lesart bleibt eng. Wir wissen, wohin die Firma gezogen ist, wann und was sie dazu gesagt hat, und was eine Beispiel-AG an beiden Orten zahlen würde. Den echten Gewinn, die Konzernstruktur und die Zahl der Mitarbeitenden kennen wir nicht.
Was diese Zahlen auslassen
- Die Firmenzahlen beschreiben eine Beispiel-AG mit CHF 1 Million Gewinn und CHF 10 Millionen
Eigenkapital, nicht Miebach. Der tatsächliche steuerbare Gewinn in der Schweiz ist nicht öffentlich.
- Die Haushaltszahlen gelten für das Steuerjahr 2026, ein Einkommen und ohne Kirchensteuer.
- Miete, Reisezeit, ein mögliches GA oder Halbtax und Pendlerzuschüsse des Arbeitgebers sind
nicht eingepreist.
- Nichts hier ist Steuerberatung. Lassen Sie jede Entscheidung von einer Schweizer
Steuerfachperson prüfen.
Mit eigenen Zahlen ausprobieren
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