Danilo · Aktualisiert 2026-10-21 · Quellen: CRIF AG, 29. Mai 2026; Medienmitteilungen von Vontobel, SGS, Miebach und Baloise/Helvetia, 2025–2026; SEC-Unterlagen von Logitech inkl. Form 10-K, 2026; Helvetia Baloise, Jahresergebnis, 15. April 2026; swissinfo.ch / RTS, 4. Februar 2025; sda und cash.ch, 24. September 2026; Zuger Zeitung, 21. Februar 2020; Bilanz, 29. Juli 2025; Zefix und SHAB; ESTV-Steuerrechner 2026 (Einkommens- und Unternehmenssteuern); SBB-Tarife; StHG (SR 642.14), Art. 3 und 28; Mindestbesteuerungsverordnung (SR 642.161)

Ziehen Schweizer Firmen wegen der Steuern um? Acht echte Fälle, durchgerechnet mit Zügle

Zieht eine Firma von Zürich nach Zug, schreibt sich die Schlagzeile von selbst. Die Firmen nennen oft ganz andere Gründe, und manche ziehen sogar dorthin, wo die Steuern höher sind. Wir haben acht öffentlich bekannte Umzüge gleich durchgerechnet und das Ergebnis neben das gestellt, was die Firma selbst gesagt hat.

Wie häufig ziehen Firmen um?

Die Wirtschaftsauskunftei CRIF zählt Sitzverlegungen im Handelsregister. Für 2025 meldet sie 38'081 Firmen, die ihren Hauptsitz innerhalb der Schweiz verlegt haben. 80,8 % dieser Wechsel blieben im selben Kanton, 7'517 Firmen zogen in einen anderen Kanton.

Über die Kantonsgrenzen hinweg gewann Zug netto am meisten (68 Firmen), vor Solothurn (67) und Graubünden (66). Den grössten Nettoverlust hatte Zürich (−252), gefolgt von Bern (−117). Wer den Kanton Zürich verliess, ging meist nach Zug (362), in den Aargau (225) oder nach Schwyz (185).

Das sind Registereinträge. Gezählt werden Firmen, nicht Mitarbeitende, und über Stellen oder Steuereinnahmen sagen die Zahlen nichts.

Acht Fälle im Vergleich

Keine dieser Firmen veröffentlicht ihren steuerbaren Gewinn in der Schweiz. Wir rechnen deshalb immer mit derselben ordentlichen Beispiel-AG: CHF 1 Million Gewinn vor Steuern und CHF 10 Millionen Kapital, mit dem Steuerrechner der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) für 2026. Ein Minus heisst: Am neuen Ort zahlt sie weniger. Das Abo ist Zügles Schätzung für ein Monatsabo 2. Klasse vom alten zum neuen Ort.

FallVon → nachWannWas die Firma sagteFirmensteuer, neu minus alt, pro JahrMonatsabo
VontobelZürich → BaarAug. 2026, Campus 2030ein Campus, Platz zum Wachsen, VerkehrsanbindungCHF −86'211CHF 250
SGSGenf → BaarFeb. 2025, eröffnet 2026halb leeres Gebäude, näher am Flughafen Zürich; laut RTS Steuern ein Grund unter mehrerenCHF −32'100CHF 399
CembraZürich → BadenSept. 2026, Umzug 2027modernes Gebäude, zentrale Lage, öffentlicher VerkehrCHF −60'890CHF 250
Zimmer BiometWinterthur → ZugFeb. 2020Medtech-Cluster, Fachkräfte aus dem Ausland; laut Zuger Wirtschaftsförderung spielten auch Steuern mitCHF −90'337CHF 330
TenroBottmingen → WollerauJuli 2025kein Grund genannt; die Presse vermutete SteuernCHF −29'688CHF 399
MiebachZug → Zürich1. März 2026Lage, Erreichbarkeit, Kunden, FachkräfteCHF +84'981CHF 250
Helvetia BaloiseSt. Gallen → BaselDez. 2025, FusionSitz und Hauptsitz in Basel, St. Gallen bleibt «ein wichtiger Standort»CHF −3'930CHF 399
LogitechHautemorges → Ecublens (VD)Sept. 2026Sitz an den operativen Hauptsitz angleichen, für «rechtliche Klarheit»CHF −1'363—

Jede Steuerzahl ist das Total am neuen Ort minus das am alten, bei Miebach CHF 207'975 − CHF 122'994 = CHF 84'981. CHF 399 ist Zügles oberste nationale Tarifstufe, für Strecken über rund 70 Bahnkilometer; den echten Preis zeigt die SBB. Logitechs operativer Hauptsitz war schon in Ecublens, einen neuen Arbeitsweg gibt es also nicht. Dass jemand an Tenros Adresse in Wollerau arbeitet, sagt keine Quelle. Die Zitate bei Helvetia Baloise und Logitech sind aus dem Englischen übersetzt.

Wie man die Tabelle liest

Eine grosse Differenz plus Schweigen beweist nichts. Vontobel und Cembra stehen vor Differenzen von CHF 86'211 und CHF 60'890 und haben Steuern nicht erwähnt. Das zeigt weder, dass sie keine Rolle spielten, noch, dass sie es taten. Der Rechner misst eine Differenz und sieht nicht ins Sitzungsprotokoll des Verwaltungsrats.

Miebach zog Richtung höhere Steuern. Mit derselben Messlatte kostet Zürich CHF 84'981 pro Jahr mehr als Zug. Miebach zog trotzdem und nannte Lage, Kunden und Fachkräfte.

Kleine Differenzen. Bei Helvetia Baloise beträgt die Differenz CHF 3'930 pro Jahr, mitten in einer Fusion zweier grosser Versicherer. Bei Logitech sind es CHF 1'363, weil beide Gemeinden in der Waadt liegen und nur der Gemeindesatz verschieden ist.

Sitz ist nicht Büro. Das Handelsregister hält den rechtlichen Sitz fest, nicht, wo Menschen arbeiten. Logitech verlegte nur den Sitz, dorthin, wo der operative Hauptsitz schon war. Helvetia Baloise verlegte die Holding; eine ihrer operativen Versicherungsgesellschaften ist weiterhin in St. Gallen eingetragen. Miebach verlegte beides.

Eine Holding ist keine gewöhnliche AG. Der Gewinn einer Holding kann grösstenteils aus Beteiligungserträgen bestehen, für die sich die Gewinnsteuer ermässigt (Art. 28 StHG). Ihre tatsächliche Steuer kann mit unserer Messlatte wenig zu tun haben.

Die Mindeststeuer. Seit 2024 zahlen Gruppen mit mindestens EUR 750 Millionen konsolidiertem Umsatz in der Schweiz eine Ergänzungssteuer, wenn ihr effektiver Satz unter 15 % liegt (SR 642.161). Logitech und Helvetia Baloise fallen nach ihren eigenen Zahlen darunter; für die anderen nennen unsere Quellen keinen Gruppenumsatz. Bei einer betroffenen Gruppe kann ein Teil der nach Tarif berechneten Differenz wieder weggesteuert werden. Zügle berechnet das für keine Firma.

Was das für die Mitarbeitenden heisst

Die Einkommenssteuer wird am steuerrechtlichen Wohnsitz geschuldet, in der Regel am Wohnort, nicht am Büro (Art. 3 StHG). Wer die Wohnung behält und pendelt, behält auch seine Steuerrechnung.

Ein Beispielhaushalt, keine Lohndaten der Firmen: alleinstehend, CHF 130'000 brutto, ohne Kirchensteuer, Steuerjahr 2026.

FallAlte GemeindeNeue GemeindeDifferenz
VontobelZürich CHF 18'647Baar CHF 9'181CHF −9'466
SGSGenf CHF 23'993Baar CHF 9'181CHF −14'812
CembraZürich CHF 18'647Baden CHF 18'473CHF −174
Zimmer BiometWinterthur CHF 19'072Zug CHF 9'384CHF −9'688
TenroBottmingen CHF 23'632Wollerau CHF 9'216CHF −14'416
MiebachZug CHF 9'384Zürich CHF 18'647CHF +9'263
Helvetia BaloiseSt. Gallen CHF 22'986Basel CHF 22'080CHF −906
LogitechHautemorges CHF 24'351Ecublens CHF 23'818CHF −533

Dazu das Abo: CHF 250 im Monat sind CHF 3'000 im Jahr (CHF 250 × 12). Wer bei Cembra nach Baden zieht, spart CHF 174 Steuern und CHF 3'000 Abo. Hier entscheidet der Zug, nicht die Steuer. Bei Miebach laufen die beiden auseinander: Wer in Zug wohnen bleibt, zahlt CHF 3'000 im Jahr fürs Pendeln, ein Umzug nach Zürich brächte CHF 9'263 mehr Steuern. Bei CHF 399 kostet das Abo CHF 4'788 im Jahr (CHF 399 × 12).

Der Haushaltstyp ändert das Bild. Ein Ehepaar mit zwei Kindern und CHF 130'000 zahlt in Basel CHF 912 mehr als in St. Gallen (CHF 10'959 − CHF 10'047), die alleinstehende Person dagegen weniger. Von Bottmingen nach Wollerau zahlt dieselbe Familie CHF 7'853 weniger (CHF 11'330 − CHF 3'477).

Die Miete fehlt, weil wir für diese Fälle keine Mietzahlen haben, und sie kann beides überwiegen.

Wie Zügle hilft

Für einen Haushalt vergleicht die Startseite Ihre Wohnung mit einer echten Wohnung: monatliche Kosten, die Differenz bei der Einkommenssteuer, den Arbeitsweg und einen Wert für die Lebensqualität.

Für Arbeitgeber und Beratungen enthält der Agentur-Bereich Fälle mit PDF-Bericht, und ein Firmenumzugs-Projekt bildet einen ganzen Umzug ab:

gleich viel; und was kosten die Abos, wenn alle bleiben;

eingeben, nach Tarif und ohne Mindeststeuer.

Was Zügle nicht berechnen kann, erscheint als fehlend, nie als null. Nichts davon ist Steuerberatung. Lassen Sie jeden Entscheid von einer Schweizer Steuerfachperson prüfen.

Mit eigenen Zahlen rechnen

Vergleichen Sie Ihre Wohnung mit einer Wohnung nahe dem neuen Büro: mit eigenen Zahlen rechnen. Relocation-Beratungen können denselben Vergleich pro Mitarbeitende im Agentur-Bereich durchführen.

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