Danilo · Aktualisiert 2026-09-29 · Quellen: Zügles Steuerdaten (ESTV, 2026); Zügles Pendelkosten-Tarifdaten (SBB); Bundesverfassung Art. 70 (fedlex); ch.ch (Ummeldung bei Umzug); Kanton Freiburg (Amtssprachen); Kanton Bern (Amtssprachen)

Über den Röstigraben ziehen – was sich wirklich ändert

Wer von der Waadt oder Neuenburg Richtung Bern oder ins Freiburgische zieht (oder umgekehrt), überquert eine Sprachgrenze mitten durch den Kanton. Mit dem Dialekt ändern sich auch Steuern, Pendelkosten, die Schulsprache der Kinder und die Formalitäten der Ummeldung. Dieser Beitrag rechnet die Zahlen für sechs Gemeinden entlang des Röstigrabens durch: Bern, Biel/Bienne, Murten, Fribourg, Lausanne und Neuenburg, für ein Einkommen von CHF 130'000.

Zweisprachige Gemeinden korrekt benennen

Bevor man Zahlen vergleicht, lohnt sich ein Blick auf die Namen selbst. Biel/Bienne ist die offizielle, zweisprachige Bezeichnung der Gemeinde (BFS-Nr. 371, Kanton Bern) – weder "Biel" noch "Bienne" allein ist die vollständige amtliche Schreibweise, auch wenn beide im Alltag gebräuchlich sind. Murten (BFS-Nr. 2275, Kanton Freiburg) trägt auf Französisch den Namen "Morat"; Fribourg (BFS-Nr. 2196) heisst auf Deutsch "Freiburg". Wer eine dieser Gemeinden in einem Formular oder einer App sucht, sollte beide Namensvarianten im Kopf haben – ein System, das nur die eine Sprache kennt, findet die Gemeinde sonst nicht. Das ist derselbe Grundsatz wie bei den PLZ-Fallen andernorts in dieser Reihe: der Gemeindename entscheidet, nicht die Postleitzahl oder die im Alltag verwendete Sprachvariante.

Die Steuerdifferenz

Die folgenden Zahlen stammen aus Zügles Steuer-Cache für das Steuerjahr 2026 und sind exakte Werte für das jeweilige Profil – keine Schätzung.

GemeindeKantonAlleinstehend, CHF 130'000/JahrVerheiratet, 2 Kinder, CHF 130'000/Jahr
BernBECHF 24'481CHF 13'808
Biel/BienneBECHF 24'900CHF 14'065
MurtenFRCHF 22'453CHF 11'291
FribourgFRCHF 24'616CHF 12'475
LausanneVDCHF 25'370CHF 14'117
NeuenburgNECHF 26'921CHF 14'804

Ein paar Differenzen daraus, Schritt für Schritt gerechnet:

Jahr in Fribourg. Für die Familie kehrt sich das um: CHF 12'475 − CHF 13'808 = CHF 1'333 weniger pro Jahr** in Fribourg.

14'065 − CHF 13'808 = CHF 257 mehr (Familie) – Biel/Bienne ist in beiden Fällen etwas teurer als die Stadt Bern.

(alleinstehend); CHF 11'291 − CHF 12'475 = CHF 1'184 weniger (Familie) – innerhalb desselben zweisprachigen Kantons liegt Murten unter der Kantonshauptstadt.

14'804 − CHF 13'808 = CHF 996 mehr (Familie) – die höchste Differenz im Vergleich.

Diese Unterschiede kommen aus dem kommunalen und kantonalen Steuerfuss, nicht aus der Sprache der Gemeinde. Dass Murten zweisprachig und Fribourg französischsprachig ist, ändert an den Zahlen nichts.

Pendelkosten über die Sprachgrenze

Drei Beispielstrecken, offline aus Zügles Tarifdaten berechnet (nationales Punkt-zu-Punkt-Modell):

VonNachMethodeMonatsabo (2. Klasse)
Fribourg/FreiburgBernnationale TarifdistanzCHF 250
Biel/BienneBernnationale TarifdistanzCHF 250
LausanneFribourg/Freiburgnationale TarifdistanzCHF 399

Die Zahlen sind eine eigene Schätzung aus Tarifkilometern, kein abgefragter SBB-Preis. Vor einem Entscheid den tatsächlichen Preis im SBB-Fahrplan/-Shop nachschlagen. Zu Fahrzeiten können wir nichts sagen, da uns dazu keine Zahl vorliegt.

Die Miete – nur als Anhaltspunkt, nicht vergleichbar

GemeindeMiete (BFS-Durchschnitt/Monat)BasisJahr
BernCHF 1'413Stadt Bern2022–2024
Biel/BienneCHF 1'124Stadt Biel/Bienne2022–2024
LausanneCHF 1'369Stadt Lausanne2022–2024
MurtenCHF 1'328Kantonsdurchschnitt FR2024
FribourgCHF 1'328Kantonsdurchschnitt FR2024
NeuenburgCHF 1'091Kantonsdurchschnitt NE2024

Murten und Fribourg zeigen hier absichtlich dieselbe Zahl. Für beide liegt keine eigene Stadtzahl vor, deshalb greift Zügle auf den Kantonsdurchschnitt Freiburg zurück. Ein Kantonsdurchschnitt und eine Stadtzahl (wie bei Bern, Biel/Bienne oder Lausanne) beschreiben nicht denselben Markt – aus diesen sechs Zahlen lässt sich deshalb kein Ranking ableiten, welche der sechs Gemeinden am günstigsten wohnt. Für eine reale Wohnung immer die eigene Miete in Zügle eintragen.

Amtssprache, Schulsprache, Ummeldung

Drei praktische Punkte, die beim Umzug über die Sprachgrenze konkret werden:

Französisch, Italienisch und Rätoromanisch als Landessprachen und überlässt es den Kantonen, ihre Amtssprache(n) zu bestimmen. Freiburg und Bern sind beide offiziell zweisprachig (Deutsch/Französisch) – aber das gilt nicht für jede Gemeinde gleich: Fribourg ist französischsprachig verwaltet, Murten ist eine der Gemeinden mit deutschsprachiger Mehrheit im sogenannten Seebezirk/"Deutschfreiburg", und Biel/Bienne ist die grösste offiziell zweisprachige Stadt der Schweiz mit Verwaltung in beiden Sprachen. Welche Sprache am Schalter, auf der Steuererklärung und in der amtlichen Post ankommt, hängt also von der konkreten Gemeinde ab, nicht vom Kanton als Ganzes.

Gemeinde bzw. des Schulkreises, nicht der Muttersprache der Familie. Wer aus einer französischsprachigen Gemeinde in eine deutschsprachige zieht (oder umgekehrt), sollte davon ausgehen, dass die Kinder in der neuen Unterrichtssprache eingeschult werden; die genauen Modalitäten (Aufnahmeklassen, Sprachförderung) regelt das kantonale Erziehungsdepartement und variieren von Kanton zu Kanton – hier vor dem Umzug direkt bei der zuständigen Schulbehörde der Zielgemeinde nachfragen.

(bzw. dem "contrôle des habitants") anmelden und in der bisherigen Gemeinde abmelden; die genaue Frist wird kantonal geregelt und liegt üblicherweise im Bereich weniger Tage bis wenigen Wochen nach dem Einzug. Die genaue Frist und die benötigten Dokumente bitte bei der Zielgemeinde bzw. auf ch.ch nachschlagen, da sie kantonal unterschiedlich geregelt sind. Eine ausführlichere Übersicht über den Umzug allgemein gibt es im Umzugs-Checkliste-Guide.

Was diese Zahlen nicht zeigen

jeweiligen Gemeinde- und Kantonssteuerfuss, nicht aus der gesprochenen Sprache. Teure und günstige Gemeinden gibt es auf beiden Seiten des Röstigrabens.

Bewerbung) sind hier nicht eingerechnet.

Kirchensteuer verschieben sich die Beträge, je nach Gemeinde unterschiedlich stark.

anderem Einkommen oder Jahr ändern sich die Beträge.

für ein bestimmtes Beispiel.

Selbst durchrechnen

Diese Zahlen gelten für ein Einkommen von CHF 130'000 und sechs konkrete Gemeinden. Mit dem eigenen Einkommen, der eigenen Miete und dem eigenen Pendelweg kann das Ergebnis anders ausfallen:

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